Sichere Telemedizin in der klinischen Praxis und mobilen Televisite

 

 

Das angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Sichere Telemedizin in der klinischen Praxis und mobilen Televisite“ wird gefördert vom Freistaat Bayern und von der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE): Ziel-2-Programms Bayern 2000-2006.

 

 

 

Aufgabenstellung und Ziele des Projektes

 

Das Forschungs- und Entwicklungs-Projekt ist thematisch in den zukunftsweisenden Hochtechnologiebereichen „Medizin-Informatik “ und „Medizintechnik“ angesiedelt. Die Projektaufgaben gliedern sich in zwei Hauptteile:

 

·         Sichere Telemedizin in der klinischen Praxis,

·         Einführung, Test und Evaluation der mobilen Televisite in der Kardiologie.

 

Die entwickelten Techniken zur interaktiven Online-Kommunikation und zur sicheren Datenübertragung können generell auch in anderen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen. Der Test in der Krankenhausumgebung stellt besonders hohe Anforderungen an die Sicherheitstechnik, da die zu verarbeitenden Datensätze stets vertrauliche Patientendaten sind.

 

 

 

Teil 1:   Sichere Telemedizin in der klinischen Praxis

 
Im Hauptteil „Sichere Telemedizin in der klinischen Praxis“ stehen die Entwicklung und der Test eines telemedizinischen Befundungs- und Konsultationssystems für die Kardiologie im Mittelpunkt. Dem Ärzteteam soll ein Telediagnose-System zur verteilten und kooperativen Befundung zur Verfügung gestellt werden. Die Synchronisation von medizinischen Bildinhalten, der Online-Austausch von bildbezogenen Annotationen und Telepointing auf verschiedenen, verteilten Betrachtungsstationen sowie eine Textkommunikation, basierend auf einem Chat-Modul, erlauben eine schnelle Diagnose unter Einbeziehung eines verteilt arbeitenden Expertenteams.

 

 

Abbildung 1:   Schemadarstellung der telemedizinischen Netzwerkstruktur

 

Eine zentrale Idee in der Projektphilosophie ist die Abkehr vom allgemeinen, starren Teleradiologie-Ansatz und die Hinführung zur transparenten, angepassten Integration telemedizinischer und facharztspezifischer Szenarien in den bestehenden Workflow einer klinischen Abteilung, hier speziell und pilotprojektartig in der Kardiologie.

 

Stationszimmer sollen mit spezieller Hardware und Software ausgestattet werden, die den behandelnden Ärzten das diagnostische Bildmaterial aus den Spezialeinrichtungen des Krankenhauses, wie z.B. aus dem Herzkatheterlabor und den diagnostischen Ultraschalleinrichtungen, direkt an das Krankenbett auf die Station liefern. Für Arzt und Patient wächst damit die Effektivität der Behandlung. Zusätzlich werden der Komfort und der Informationsfluss für den Patienten gesteigert.

 

Schließlich soll eine sichere interaktive Kommunikationsmöglichkeit zur Möglichkeit der  Telediagnostik über das Internet realisiert werden. Fachärzte in verschiedenen Krankenhäusern können damit schnell und umfassend im Rahmen von telemedizinischen Konsultationen diagnostizieren. Diese moderne Art der verteilten Diagnostik wird schnell an praktischer Bedeutung gewinnen, da Patienten in immer stärkerem Maße in verschiedenen Spezialkliniken behandelt werden und die beteiligten Ärzte in entfernten Krankenhäusern zum Zeitpunkt der Behandlung gemeinsam beraten möchten.

 

Die Daten-Übermittlung erfolgt über gesicherte Internet-Verbindungen gemäß den Anforderungen internationaler medizinischer Standards, wie dem DICOM-Standard. Es sollen ein transportorientierter und ein dokumentorientierter sicherer Datentransport mit Verschlüsselung und digitaler Signatur für die Daten- und Anwenderauthentifizierung auf der Basis von X.509-Zertifikaten realisiert und getestet werden.

 

Nach erfolgreicher Einführung in der Kardiologie kann das System leicht auf andere Abteilungen und Anwendungsbereiche adaptiert werden.

 

 

 

Teil 2:   Mobile Televisite

 

Die „mobile Televisite“ ermöglicht die räumlich entkoppelte Kommunikation zwischen dem behandelnden Facharzt in der Klinik und dem Patienten zuhause. Der Grundgedanke für den praktischen Einsatz liegt in der Vorstellung einer möglichst kurzen stationären Behandlung und einer anschließenden poststationären, intensiven häuslichen Nachbetreuung mit engem Kontakt zwischen den behandelnden Klinikärzten und dem Patienten.

 

Die Methode gewährleistet die optimale Nachsorge durch den klinischen Facharzt: Gleichzeitig kann der Patient kann im heimischen Umfeld genesen und sich erholen. Die Leistungskraft des Krankenhauses als Unternehmen wird gesteigert. Zusätzliche Arbeitsplätze in der häuslichen Betreuung und Pflege können entstehen.

 

 

Abbildung 2:   Schemadarstellung der Infrastruktur zur mobilen häuslichen Televisite

 

Im Heim des Patienten dient eine mobile, einfach zu bedienende Messeinrichtung zur medizinischen Datenerfassung am Körper des Patienten, zum Beispiel für die Messung von EKG, Puls, Sauerstoffsättigung und Blutdruck.

 

Zur Wahrung der Mobilität des Patienten im Hausbereich sowie zum Komfort bei verordneter Bettruhe erfolgt eine drahtlose Übertragung der mit Sensoren am Körper detektierten physiologischen Daten an eine häusliche Feststation. Die gesamte Messdatenaufnahme muss einerseits einfach zu bedienen sein, damit auch alte und kranke Menschen damit zurecht kommen, andererseits muss sie sehr preisgünstig sein, um einen kostengünstigen, breiten Einsatz zu ermöglichen.

Die gesamte notwendige technische Ausstattung wird dem Patienten in einem Televisite-Koffer bei der Entlassung mit nach Hause gegeben.

 

Die Daten-Übermittlung zwischen dem Heim des Patienten und dem Krankenhaus erfolgt über gesicherte Internet-Verbindungen, Telefonverbindungen oder über sichere Funkverbindungen.